Montag, 8. August 2011

Elfriede Ott und Goran David präsentieren....

....und wir müssen hin!!
Primär natürlich nicht, weil Elfriede Ott meine Lieblingsschauspielerin ist und weil ich einfach immer hin muss, wenn Nestroy gespielt wird, sondern weil mein Steffi mitspielt. Und - he! - DAS wollte ich auf keinen Fall verpassen!
Also tun wir es. 5. August, Maria Enzersdorf, grausiges Essen, egal, rauf zur Burg Liechtenstein!
Die Maria Enzersdorfer Festspiele sinds, und ich bin gespannt. Als bekennender Banause seit Jahren nicht mehr ins Theater gegangen (Kino gilt nicht), und jetzt gleich etwas, das man in Wien einen Klassiker nennt. "Eisenbahnheiraten", Johannes Nestroy. Aber zumindest eine Komödie, und ich bin ja leicht zu bespaßen, also wirds schon werden. Vorab-Programm mit den Erstjährlingen - Cabaret und der Zauberlehrling, denn wir sind etwas zu spät gekommen - ist wild, aber es sind ja Schauspieler, wird also wohl so gehören :-)
Wir sind offensichtlich nicht ausgerüstet. Ich hab noch meinen Poncho dabei, der Mann seine Anzugjacke. Die meisten anderen Menschen kommen mit Taschen im Format einer großen nordeuropäischen Möbelkette, die vollgepackt sind mit Decken, Schuhen und sonstigem Kram, den man sicher noch brauchen wird. So kalt kanns doch gar ned werden!! (Vorab gesagt: wurde es auch nicht, ich hab sogar das Bier danach noch wunderbar verkraftet ohne schwer zu erkranken)
Nun aber zum Stück (ich könnt zwar auch noch reichlich rundherum schreiben, aber ich machs nicht):
Lustig! Sooo lustig! Am Anfang zwar gewöhnungsbedürftig ob der etwas "klassich wienerischen" Sprache, aber der Schwung der Schauspieler schwingt sowas von flott aufs Publikum über, dass es mir fast den Atem raubt. Könnte aber auch sein, dass ich beim Lachen wieder keine Luft bekommen hab.

Mitintendant Goran David ist Patzmann, ein Frauenschwarm der Sonderklasse, trotzdem ganz versessen auf seine Nanni (Claudia Waldherr), die aber erst aus dem Hause des Bäckers Zopak (Franz Robert Wagner) fliehen muss, um zu ihrem Liebsten nach Wien zu kommen. Wobei sie eine Rasanz an den Tag legt, die ihresgleichen sucht. Babette (Stephanie-Christin Schneider), Zopaks Tochter, weniger rasant doch umso verwirrter durch die wilde Zuwendung von Patzmanns Bruder Edmund (Markus Weitschacher), platzt fast vor komödiantischem Talent.
Könnte alles sehr einfach sein, allerdings ist die Zaschlhuberin (Elfriede Ott), quasi Heiratsvermittlerin, im Begriff, Ignaz Stimmstock (Toni Nekovar) mit der Bäckerstochter Therese Kipfl (Sabrina Rupp) aus Neustadt (der Wiener) zu verbandeln, obwohl sie ihn viel lieber selber hätt. Therese wiederum bandelt ohnehin schon mit dem Brandenburger (Patrick Weber) an, ein Ausbund an Männlichkeit, wenngleich Deutscher. Gleichzeitig soll Peter Stimmstock (Robert Kolar), patscherter und wenig weltmännischer Vetter des Ignaz mit schon genannter Babette vereint werden.
Zu verwirrend? Nicht doch! Eine wilde Reise mit der Bahn beginnt, bei der hinters Licht geführt, sich versteckt und aufgelauert wird, dass es nur so kracht!
Wien - Neustadt - Brünn: 3 Akte, 3 Orte, 3 glückliche Paare am Ende. Und weils so sein muss, ist natürlich immer einer der Deschek, aber wer das ist, werd ich hier natürlich nicht sagen.
Was ich auf jeden Fall noch erwähnen muss:
Erstens: Athena Zervos - sozusagen der "Running Gag" des Stücks. Ich brech schon ab, bevor sie etwas sagt, aber dann sagt sie auch noch jedes Mal was....
Zweitens: Mein Steffi. Also Stephanie Siebenhandel (der Gerechtigkeit zuliebe). Als Sali, die Ladenmamsell beim Bäcker Kipfl, hat sie etwa 2 fulminante Minuten am Anfang des zweiten Aktes, wo sie tut, was sie kann: sie zuckt aus, brüllt rum und rennt raus. Kurz und gut, aber sie bleibt ja zum Glück bis zum Ende des Stücks erhalten :-)
Die immer wieder erscheindende Reisende (natürlich auch Frau Elfriede Ott) ist die Weisheit im Hintergrund. Und sie kennt sich wirklich aus:

's hat ein Reicher ein Sohn und der Sohn hat ka Hirn
dieser Übelstand tut aber nicht viel geniern
Obwohl er nix lernt und ein patscherter Bua is
macht er die Matura und wird Doktor Juris.
Er weiß nix, er tut nix, es is ihm nur fad,
er kommt in den Staatsdienst, wird bald Aufsichtsrat.
In die höchste Gehaltsstufe reiht man ihn ein -
Da muss wo a heimliche Eisenbahn sein!!

Die Steuern wern höher, auch Post, Telephon,
von den Sparzinsen nimmt sich der Staat a Portion.
Der Zucker is teuer, die Tramway in Wien,
der Strom und das Gas, das Öl, das Benzin,
Gebührn sind erhöht, die Haftpflicht, die Bahn,
die Renten, die fangen zum Abmagern an...
Doch so viele Leut kaufen PKWs ein -
Da müssen wo heimliche Einnahmen sein!!!


In diesem Sinne: Hingehen, anschauen, noch bis 14. 8. auf der Burg Liechtenstein. Zumindest bei schönem Wetter, was sich auf jeden Fall empfiehlt!

Und das mit der Decke: wenns schon am Tag kalt war, ok. Am 5. August wars warm. Auch in der Nacht.


Kommentare:

  1. Copyright der TExtstellen der Bahnreisenden: liegt vermutlich bei Johannes Nestroy, er wirds mir verzeihen. Abgeschrieben hab ichs aus dem von Frau Ott handsignierten Programmheft. (Hrsg: Verein Maria Enzersdorfer Festspiele, www.festspiele.maria.enzersdorf.at)

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  2. WOW! Suuuuuper Rezension!!!! Danke und gratuliere zum hohen schriftstellerischen und aufführungsanalytischen Talent! ;o)
    Lg, dein Steffi

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